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Gasturbinenentwicklung bei Rover
T2A - Ein Bericht aus "Auto, Motor und Sport" Nr. 18/1954
 
Gordon Wilkins berichtet in der Zeitschrift "Auto, Motor und Sport" Nr. 18 / 1954 im Artikel "Neuer Rover-Versuchswagen mit Gasturbine" wie folgt:
 
"Die englische Rover Company war bekanntlich die erste Firma, die einen Personenwagen mit einer Gasturbine ausstattete und ausführliche Versuche damit fuhr. Die damals installierte Turbine wies etwa 250 PS auf und stellte 1952 in Belgien die ersten offiziellen Geschwindigkeitsrekorde für Wagen mit Gasturbine auf. Der neue Versuchswagen ist ein Fahrzeug der Rover 90-Serie, der auf die Belange der neuen Gasturbine umgestellt wurde. Diese kleinere Turbine ist nach den Erfahrungen der ersten Maschine gebaut worden; sie wurde für 120 PS Höchstleistung bei 50.000 U/min ausgelegt, leistet aber im Fahrzeug 105 PS an der Antriebswelle. Die Bauprinzipien sind genau dieselben wie bei der ersten Turbine: ein Schleudergebläse fördert die Verbrennungsluft zu einer Brennkammer, wo der Brennstoff eingespritzt und verbrannt wird. Die Verbrennungsgase treiben zunächst ein Turbinenrad an, das dem Ansaugen bzw. dem Verdichten der Verbrennungsluft dient. Von hier gelangen die heißen Gase zu einem zweiten Turbinenrad, das dem eigentlichen Antrieb dient und über ein Untersetzungsgetriebe auf die normale Hinterachse des Versuchswagens arbeitet. Die Brennkammer wie die Einspritzpumpe stammen von Lucas. Die Verschaufelung der Turbinenräder ist nicht extra aufgesetzt, sondern aus der vollen Scheibe herausgearbeitet.
 
Die Turbine selbst sitzt im Heck des Versuchswagens und zwar etwas außerhalb der Fahrzeug- Längsachse. Durch eine kurze Welle wird das Untersetzungsgetriebe angetrieben, das außerdem einen Rückwärtsgang aufweist. Vom Getriebe führt eine weitere Welle direkt zum Achsantrieb. Das Wageninnere unterscheidet sich praktisch nicht von dem des Rover 90-Serienwagens, mit Ausnahme des kleinen Ganghebels, der lediglich die Stellungen "Vorwärts" und "Rückwärts" aufweist. Ein zusätzliches kleines Instrumentenbrett innerhalb des Handschuhkastens weist ein Fernthermometer jeweils für die Lagertemperaturen der Turbine und für die Abgastemperatur auf. Vorläufig ist noch kein Wärmetauscher vorgesehen, doch soll der Versuchswagen auch dazu dienen, dessen Einbau und Auswirkung auf den Verbrauch zu ermitteln. Die Ansaugluft tritt im Heck, kurz vor dem Heckfenster, ein, während der im Bild zu sehende große Stutzen die Auspuffgase ins Freie treten läßt. Großes Augenmerk wurde beim Versuchsfahrzeug darauf gerichtet, daß das Maschinengeräusch der Turbine nicht allzusehr in das Wageninnere abstrahlt, und tatsächlich soll sich die Maschine nicht lauter bemerkbar machen als das Maschinengeräusch des normalen Kolbenmotors.
 
Die Turbine kann bei einigermaßen warmer Witterung innerhalb von 5 Sekunden angeworfen werden und dreht im Leerlauf etwa 20.000 U/min. Sie spricht naturgemäß erst mit einer gewissen Verzögerung auf das Gasgeben an. Die Drehmomentcharakteristik dieser Doppelturbine erlaubt natürlich wesentlich höhere Beschleunigung als mit einer gleich starken Kolbenmaschine. Sie liegt wesentlich höher als diejenige, welche das Serienfahrzeug erreicht, obwohl das Gewicht rund 100 kg höher ist. Man darf gespannt sein, welche Ergebnisse diese neue Gasturbine zeitigt, und ob es überhaupt möglich sein wird, den Brennstoffverbrauch ohne Anwendung eines Wärmeaustauschers so niedrig zu halten, daß dem Kolbenmotor schon jetzt eine ernsthafte Konkurrenz entsteht."
 
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