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Roverdrive 2 / 2005
Das Ende von Rover?
Presse
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Roverdrive
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Der Tod des englischen Patienten als neue Chance
 
Das lange Siechtum hat ein Ende - Konkurs bei MG Rover! Im vergangenen Jahr durften noch 100 Jahre Automobilbau gefeiert werden, nun kam das Aus.
 
In letzter Zeit waren die dunklen Wolken über MG Rover wieder dichter geworden. Aber Verhandlungen über eine Partnerschaft mit der chinesischen Gruppe SAIC (Shanghai Automotive Industry Corporation) ließen hoffen und Ende 2004 war sogar die Rede davon, mit einem MG in die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft einzusteigen.
 
Ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen MG Rover und SAIC sollte ab 2006 eine neue Modellreihe präsentieren und die 6.100 Arbeitsplätze in Longbridge sichern.
 
Dann jedoch, in der Nacht auf den 08. April 2005 veröffentlicht die britische Regierung eine Verlautbarung der Industrieministerin Patricia Hewett über den Konkurs von MG Rover. Die Führung des Unternehmens dementiert umgehend; nicht der Konkursverwalter halte sich im Hause auf, sondern lediglich Finanzfachleute der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers würden die Lage des Konzerns prüfen.
 
Es dauert jedoch nur wenige Stunden, dann muß eingeräumt werden, daß die Herren als "Administratoren" tätig sind um die Insolvenz vorzubereiten. Rover ist zahlungsunfähig und muß Gläubigerschutz beantragen.
 
Allein für das vergangene Geschäftsjahr weisen die Bücher einen Verlust von knapp 150 Millionen Euro aus. Seit etwa 18 Monaten gehen die Absatzzahlen dramatisch zurück. Um aus den roten Zahlen zu kommen müßte Rover mindestens 180.000 Fahrzeuge verkaufen, tatsächlich sind es aber nur 100.000.
 
Ein im Jahr 2000 von BMW bei der Trennung von Rover gewährter Kredit von 550 Millionen Pfund (zurückzuzahlen bis 2049) hat die Situation auch nicht retten können.
 
Als MG Rover keine Überlebensgarantie für die kommenden zwei Jahre geben kann, winken die Verantwortlichen bei SAIC ab. Selbst ein Versuch Tony Blairs, den chinesischen Präsidenten zu einem Einstieg zu bewegen, schlägt fehl.
 
So stehen am 09. April die Bänder still, nachdem Unternehmen aus der Zulieferindustrie seit Monaten auf die Bezahlung ihrer Ware gewartet haben und jegliche Lieferung einstellen. Da Branchenkenner mit 20.000 gefährdeten Arbeitsplätzen im Bereich der Zulieferer rechnen, erklärt sich die britische Regierung bereit, hier vorerst mit 60 Millionen Euro einzuspringen.
 
Ein Überbrückungskredit in Höhe von 150 Millionen Euro für MG Rover dagegen wird von der Industrieministerin kategorisch abgelehnt.
 
Es ist das Wochenende der Insolvenzverwalter, die bald feststellen müssen, daß das Unternehmen monatlich zwischen 29 und 36 Millionen Euro Verlust macht.
 
Am 10. April, Sonntag, gewährt die Regierung dann doch einen Kredit von 6,5 Millionen Pfund, damit nicht 5.300 der Beschäftigten am Montag auf der Straße stehen.
 
Die EU-Komission mahnt die Regierung, die Hilfe für MG Rover zur Prüfung anzumelden.
 
Mitte April heißt es, alle Versuche, den Konzern als Ganzes zu verkaufen, seien fehlgeschlagen; etwa 5.000 Rover-Angehörige und 15.000 Arbeiter und Angestellte aus der Zulieferindustrie würden ihre Arbeit verlieren.
 
Ein Sprecher Tony Blairs kündigt an, zur Unterstützung der Arbeiter würden nun 150 Millionen Euro bereitgestellt.
 
Die Insolvenzverwalter von Pricewaterhouse- Cooper erklären den Rettungsplan für Rover mit SAIC für gescheitert und veranlassen, daß das Werk für zwei Monate "eingemottet" wird, bis Käufer für die Vermögenswerte gefunden sind. Insider schließen nicht aus, daß SAIC die Verhandlungen bewußt hat scheitern lassen, um so billig Konzernteile von MG Rover übernehmen zu können.
 
Eine Pressemitteilung von MG Rover aus Neuss von Anfang Mai zur Situation in Deutschland:
"Am 18. April 2005 wurde von dem High Court in Birmingham (England) eine "Administration" nach englischem Recht über die MG Rover Deutschland GmbH angeordnet. Zweck der Administration ist der Erhalt der Gesellschaft und/oder des ganzen oder teilweisen Betriebs, soweit dies möglich ist. Der Beschluss des Gerichts in Birmingham wurde im Einklang mit den einschlägigen europarechtlichen Vorschriften erlassen. Drei Partner der englischen Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers LLP wurden als Joint Administrators (gemeinsame Verwalter) bestellt. MG Rover Deutschland GmbH hat in Deutschland keinen Insolvenzantrag gestellt und ist im übrigen nicht gehalten, dies zu tun.
 
Die Bestellungen der Administratoren sollte es MG Rover Deutschland GmbH sowie den weiteren sieben (ebenfalls in Administration befindlichen) europäischen nationalen Vertriebsgesellschaften von MG Rover ermglichen, die Kundenbetreuung sowie Handels- und Servicepartner - Angelegenheiten in konstruktiver Weise zu handhaben. Darüber hinaus soll auch sichergestellt werden, daß der Vertrieb von linksgesteuerten Fahrzeugen auf den kontinentalen Märkten weitergeführt wird."
 
Nach letzten Informationen wird MG Rover Deutschland alle bestellten Fahrzeuge ausliefern, die dreijhrige Herstellergarantie soll erfüllt werden. Ersatzteile für MG und Rover gibt es weiterhin über die englische Firma CAT Caterpillar Logistic Services.
 
Alle MG Rover - Vertragshändler sollen künftig den Betrieb als freie Werkstatt oder unter einem anderen Marken-Emblem fortsetzen können und ihre Kunden weiter betreuen sowie deren Ansprüche aus Sachmängelhaftung erfüllen.
 
Am 14. Juli erscheint in der englischen Presse unter der Überschrift:"BREAKING NEWS - UK: MG Rover administrators confirm talks with three parties" ein Artikel über neue Verhandlungen von MG Rover mit drei neuen Partnern. Und siehe da - SAIC ist auch wieder dabei! Der chinesische Konzern gibt bekannt, daß er in Zusammenarbeit mit Magma Holdings unter Martin Leach, dem früheren Chef von Ford Europa, die Gespräche wieder aufgenommen habe. Magma will in Longbridge die Produktion in einer neu zu gründenden Firma fortführen.
 
Der zweite Bewerber stammt ebenfalls aus China. Nanjing Automobile Corporation will sich Teile des europäischen Marktes sichern.
 
Dritter im Bunde ist der britische Geschäftsmann David James mit seiner Kimber Group, der wohl aber nur Teile des MG Rover - Konzerns erwerben will. Damit stehen die Chancen für James natürlich weniger gut.
 
All das wird Makulatur, als am 23. Juli die Meldung verbreitet wird, daß der Verkauf von MG Rover an Nanjing Automobile Corporation perfekt ist! Dazu hat der chinesische Konzern die Firma Powertrain, den Motoren- und Getriebehersteller von MG Rover, mit übernommen.
 
Nanjing ist zwar seit langer Zeit Automobilhersteller, aber im Vergleich zu SAIC ungleich finanzschwächer. Die Kaufsumme soll 50 bis 60 Millionen Pfund (72 bis 86 Millionen Euro) betragen haben.
 
Nach Aussage des neuen Besitzers sollen in England 2.000 neue Arbeitsplätze entstehen und pro Jahr etwa 80.000 Sportwagen der Marke MG hergestellt werden.
 
Ein Teil der Produktion soll von Birmingham nach China verlegt werden. Dort will man "Austin" wiederbeleben und unter diesem Namen 200.000 Fahrzeuge herstellen.
 
Damit erhält Nanjing ein Standbein in Europa und kann Automobile aus seiner Massenfertigung in Zukunft auch hier problemloser anbieten.
 
Britische Kenner des Marktes weisen währenddessen auf mögliche Probleme hin. Es könnte zu Schwierigkeiten kommen, da SAIC schon im letzten Jahr Rechte am Vertrieb der Modelle 25 und 75 für China erworben hat. Aber auch Honda hat noch patentrechtliche Ansprüche aus seiner Zeit der Zusammenarbeit mit MG Rover. Betroffen davon sind etwa Rover 45 und die MG ZS-Modelle.
 
In der Hoffnung, wenigstens einigen der im April entlassenen MG Rover - Beschftigten wieder Arbeit zu beschaffen, hat die britische Transport and General Workers Union angekündigt, umgehend Gespräche mit Nanjing aufzunehmen.
 
Wenn sich die Wogen geglättet haben und Nanjing seine Pläne öffentlich macht, werden wir sehen, ob der Name Rover auch weiterhin Bestand haben wird.
 
Nanjing Automobile
Gegründet 1947 in der Provinz Jiangsu im Osten Chinas ist der Konzern der älteste Kraftfahrzeughersteller im Land. Produziert werden Pkw, Lastwagen und Busse. Nanjing hat etwa 16.000 Beschäftigte.
Bis 2006 soll die Jahresproduktion von 180.000 auf 300.000 Fahrzeuge gesteigert werden. Bisher besteht schon eine Kooperation mit Fiat.
 
Text: Reinhard Stadthaus
 
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