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Roverdrive 1 / 2003
Die Renovierung eines Rover P4 100
Presse
Div. Artikel

Roverdrive
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Die Mutation eines eingetauschten Afrikaners
 
Nachdem ich acht Jahre lang einen Morris Minor Traveller fuhr, jedoch schon lange mit einem P4 liebäugelte, fand ich in der Zeitschrift Oldtimer Praxis, Ausgabe 5/2000, folgende Anzeige: "Tausche Rover P4 gegen Morris Minor Traveller". Zuerst fühlte ich mich auf den Arm genommen. Nach einem Anruf bei dem Inserenten wusste ich, daß es ernst gemeint war. Er wohnte nur rund 100 km entfernt. Wir waren uns schnell handelseinig. Seit dem 11. Mai 2000 bin ich stolzer Besitzer eines Rover P4 100, Baujahr 1960 - und mit etwas Wehmut meinen gehegten und gepflegten Traveller los.
 
Das Vorleben des guten Stücks
 
Mein Rover P4 wurde am 05. September 1960 gebaut und am 8. des gleichen Monats an den Händler Fisher & Simmsons Ltd nach Johannisburg, Südafrika, ausgeliefert. Dann folgt leider eine "Geschichtslücke" von 28 Jahren - viel gefahren wurde er in dieser Zeit offensichtlich nicht.
 
Erst ab 1988 ist die Historie wieder lückenlos. Damals kaufte ein deutscher Diplomat den Wagen von einem alten Farmer im südafrikanischen Transvaal, einer Hochebene bei Pretoria, für 6.500 Rand - damals waren das etwa 5.000,00 DM. Zu diesem Zeitpunkt hatte mein P4 lediglich 73.000 Meilen auf dem Tacho. Der Wagen wurde von dem Farmer offensichtlich etliche Jahre nur selten bewegt.
 
Aber auch danach wurde er nur wenig gefahren werden. Im Herbst 1990 wurde "mein" Diplomat nach Havanna versetzt. Er durfte den Rover nicht mitnehmen, da die kubanischen Importvorschriften dies nicht zuließen: Es dürfen nur maximal zwei 2 Jahre alte Autos eingeführt werden.
 
Statt dessen wurde der Rover nach Deutschland eingeführt und in einer Garage in Herford eingestellt. Dort stand er bis 1998. In der Zwischenzeit erhielt er am 9. Februar 1993 eine "große Inspektion" bei der Firma Hoppe in Oerlinghausen. Die TÜV-Abnahme absolvierte er erfolgreich, angemeldet wurde das Auto nicht.
 
1998 schließlich verkaufte der Diplomat den Wagen an meinen Vorbesitzer, der ihn am 22. April 1998 erstmalig in Deutschland mit dem Kennzeichen NOM-G 760 H anmeldete. Eine kleine Inspektion folgte umgehend. Danach wurde er in zwei Jahren nur noch knapp 1.000 km gefahren. Da dem Besitzer - ein Morgan- und Lotus- Fahrer - der P4 nicht agil genug war, tauschten er seinen Rover P4 und ich meinen Morris Minor Traveller am 11. Mai 2000. Die gut 100 km lange Heimfahrt verlief völlig ohne Probleme.
 
Der P4 kommt zu uns
 
Als ich den Wagen übernahm hatte er 75.522 Meilen auf dem Tacho und somit in den letzten zwölf Jahren lediglich rund 2.500 Meilen gefahren.
 
Dank eines Schlachtwagens stehen viele Teile zur Verfügung, die man sonst mühsam suchen müßte.
 
Der Zustand zu diesem Zeitpunkt entsprach technisch -Aggregate und Karosse - vielleicht 3, optisch 3-. Dank Südafrikas Klima ist der Wagen praktisch rostfrei und - soweit ich beurteilen kann - nie geschweißt, geschweige denn restauriert worden. Dazu kommt ein ca. 60 % originaler Lack oberhalb der Flankenzierleiste, der untere Teil war irgendwann einmal graublau lackiert worden. Dennoch hat auch das afrikanische Wetter seine Nachteile: die Türdichtungen überlebten nur rudimentär, die Lederausstattung war brüchig und der Lack recht matt.
 
Nach intensiver Lack- und sonstiger Pflege - sie entsprach einer großen Inspektion, bei der aber auch keine gravierenden Schäden festzustellen waren -ließ ich den Wagen am 17. Mai 2000 mit dem Kennzeichen PB MM 326 H auf meinen Namen zu.
 
Ich bin der Auffassung, ein altes Auto solle ordentlich, technisch einwandfrei, sauber und gepflegt sein, aber in jedem Fall auch seine Patina zeigen. Trotzdem habe ich dem Wagen in der Folgezeit viel Gutes getan.
 
Seit dem Tausch bin ich nun knapp 5.000 km fast immer pannenfrei gefahren, so dass der P4 heute, im November 2002 insgesamt 78.400 Meilen hinter sich gebracht hat.
 
Im Sommer 2000 hatte noch ein kompletter Schlachtwagen, ein P4 100 von 1960, mit vollständigem (!) Werkzeugsatz zu uns gefunden. Es ist immer wieder interessant was der alles liefern kann.......
 
Die Ausstattung ab Werk
 
Es handelt sich um eine Rechtslenker -Exportausführung mit der Fahrgestell- Nummer 6510-00812. Die Außenfarbe ist Light Grey, ein cremebeige- farbenes Grau. Die Innenausstattung ist in der Farbe Silver gehalten, ein grauer Farbton. Als Produktionsband ist 813 angegeben.
 
Die neue Lederausstattung und die damit "erzwungene" Teillackierung
 
Die originale Lederausstattung war nach 30 Jahren Afrika deutlich angegriffen, sicherlich aber grundsätzlich aufbereitungsfähig. Daher hatte der Vorbesitzer wohl auch die Ausstattung 1998 für 2.200,00 DM von einem der renommiertesten Lederrestaurateure Deutschlands aufbereiten und nachnähen lassen - wobei das Leder aber nur vergleichsweise dick lackiert wurde. Danach sah es wie Kunstleder aus! Es wurden keinerlei Aufpolsterungen und/oder dergleichen Arbeiten vorgenommen, so dass die ursprüngliche Pracht einer Rover-Lederausstattung dahin war. Als ich die Originalrechnung und den Namen des renommierten Unternehmens sah, war ich von der minderen Qualität wirklich verblüfft. Ich nahm zu erst an, die Arbeiten seien von einem Amateur erledigt worden! Mit dieser meiner Ansicht konfrontiert, entsprach die Reaktion des Unternehmens exakt der Qualität der Arbeit.
 
Ein befreundeter Restaurateur, Rüdiger Jäger, Randebrockstrasse 3, 33165 Paderborn, Tel.: 05251-529370, der sich fast ausschließlich um hochwertige Oldtimer kümmert, stellte schließlich die Diagnose: Das Leder ist durch die "Aufbereitung" im Prinzip nachhaltig zerstört. Gerne hätte ich die originale Ausstattung grundlegend restauriert und dadurch auch die Patina erhalten.
 
So mußte ich mir eine neue Ausstattung gönnen, die Rüdiger Jäger für mich anfertigte. Ich sagte mir: Wenn schon neu, dann auch so, wie ich sie damals bestellt hätte!
 
"Silver" ist nicht meine Lieblingsfarbe, ich bevorzuge bei Leder warme Töne. Die hätten aber nicht zu der grau/ blauen Lackierung gepasst. Nach einigen Überlegungen fiel die Entscheidung zur Neulackierung des Wagens im unteren Teil. Ich wählte ein dunkles Grün, da das Graublau ohnehin nicht original war. Ursprünglich war der Wagen uni; im oberen Teil sollte die beige Originallackierung erhalten bleiben. Dazu entschied ich mich für eine komplett neue Lederinneneinrichtung und einen Teppichsatz in "Cognac", ähnlich dem originalen "Tan".
 
Beim Neuaufbau der Innenausstattung wurden das komplette Leder -naturgegerbt -und die gesamte Aufpolsterung erneuert und neu aufgebaut, alle Metallteile (Sitzgestelle, etc.) sandgestrahlt, schwarz pulverbeschichtet und, wo nötig, repariert. Die Material-und Verarbeitungsqualität und die Beratung durch Rüdiger Jäger war während der Arbeiten erstklassig.
 
Wenn schon neu, wenn schon der Wunschfarbton, dann vielleicht auch einige, behutsame "Verschönerungen" gegenüber dem Original? Also wurde der Rundumschlag erweitert:
  • Türverkleidungen in Echtleder und mit zusätzlicher Zierleiste unter halb der Polsterleiste. Die Zierleisten stammen übrigens von Tür verkleidungen aus einem Mercedes W 109.
  • Kartentaschen in den Türen in Raffleder im Stil der 30er Jahre
  • Handschuhfach und Handschuhfachdeckel innen in Echtleder
  • An den Sitzbänken Stoffteile durch Echtleder ersetzen
  • An der Rücksitzlehne der Vordersitzbank Kartentaschen aus Raffleder für die Fondpassagiere
  • Polsterung gegenüber dem Original etwas "fülliger"
  • Armaturenbrettpolster in Echtleder
  • A- und B-Säulenverkleidung in Echtleder
  • Ein dunkelgrüner Fußmattensatz, eingefasst mit Cognac-farbenem Echtlederkeder
  • Komplett neuer Cognac-farbener Velours-Teppichsatz, eingefasst mit Echtlederkeder
  • Picknicktische an der Vordersitzrücklehne
  • Mono-Vollchrom-Lautsprecher in die Hutablage integriert
  • Alles andere, z.B. Design der Polster, Anzahl und Maße der Pfeifen, etc., wurde vom Original übernommen.
Die Kosten, oje! Hätte ich vorher geahnt, was sich letztlich summiert - ich hätte mindestens einen mittelmäßigen P4 dafür bekommen - hätte ich nicht angefangen. Gott sei Dank wusste ich es vorher nicht, sonst hätte ich sicher vieles nicht machen lassen und führe jetzt nicht so einen schönen Rover!
 
Der Wagen hat mit seinem veränderten Aussehen einen neuen Charakter bekommen:
Er ist wuchtiger, "wärmer" und damit auch edler geworden - fast zu edel wie ich schon des öfteren gehört habe - der Rover sei nun eher ein Bentley. Ich kann damit leben, denn mein P4 entspricht jetzt genau dem, was ich mir immer erträumt hatte.
 
Der komplette Werkzeugsatz in einer Schublade unter dem Handschuhfach, die originale Luftpumpe und die zerbrechliche
 
Scheibenwaschwasserflasche aus Glas(!) sind mittlerweile auch wieder an ihren angestammten Plätzen. Auch sonst habe ich noch einiges gemacht -es läppert sich mit der Zeit:
  • Neue Tripot-Scheinwerfer montiert
  • Originale Dachantenne montiert
  • Originales "His Masters Voice" Radio eingebaut; es wurde bei "The Vintage Wireless Company" auf Kurzwelle und CD- Anschluß umgebaut, optisch ohne Veränderung, eine klasse Arbeit, es dauert sogar einige Zeit bis der Ton kommt.....
  • Zeituhr überholt
  • AA-Plakette (engl. ADAC) angebracht
  • Wheel-rims (Zubehör) auf Felgen montiert
  • Vier neue Avon Diagonalreifen ( 6,40 x 15) montiert
  • Vorderachse komplett überholt und neue Gummis montiert
  • Vergaser bei Bob Tyler überholen lassen und eingebaut
  • Neue Türgummis eingeklebt
  • Komplett neuen Auspuff montiert
  • Hupen überholt
  • Ölwanne demontiert und Ölschlamm entfernt
  • Neue Verteilerkappe montiert
  • Kühler überholt
  • Thermostat eingebaut (=> Afrika!)
  • Kreuzgelenke und Mittellager erneuert
  • Bremsanlage komplett überholt -sie "rubbelt" aber immer noch!?
  • Hohlraum-und Unterbodenversiegelung
  • Poliert, poliert, poliert, poliert -und viele weitere kleine und größere Dinge erledigt............
Eine Auswahl weiterer Projekte
 
Es sollen noch einige Veränderungen und Maßnahmen folgen, darunter:
  • Einbau eines zeitgenössischen Webasto-Faltschiebedaches, aus einem alten Mercedes Ponton - hat jemand Erfahrung?
  • Neue Stoßdämpfer
  • Den Dreiecksfenstern das Pfeifen abgewöhnen -wer weiß Rat?!

  •  
    Fahrerlebnisse und Resümee
     
    Der Rover P4 sollte dem englischen Lord die Atmosphäre eines mahagonigetäfelten Kaminzimmers seines aristokratischen, englischen Herrensitzes vermitteln - und so fährt er sich auch. Sehr komfortabel, leise und gediegen - aber bestimmt nicht sportlich, obwohl mit dem P4 ja auch einige sportliche Erfolge erzielt wurden.
     
    Als ich das Auto kaufte waren 185x15 "Marshall" Radialreifen aufgezogen, mit denen der Rover fast nicht um die Kurve zu bewegen war. Ich habe dann originale Diagonalreifen der Größe 6,40 x 15 montiert und damit ausgezeichnete Erfahrungen gemacht. Jetzt hat der P4 wieder eine insgesamt vergleichsweise gute Straßenlage. Die Seitenneigung in zügig gefahren Kurven ist aber trotz allem beträchtlich - eben mehr ein Auto zum Gleiten.
     
    Ich meine, man kann auf der Autobahn dank Overdrive bedenkenlos 75 - 80 Miles/h (120 - 130 km/h) als Dauergeschwindigkeit fahren, denn bei 80 Miles/h dreht der Sechszylinder ja gerade mal 3.500 U/min.
     
    Im Schnitt verbraucht der Rover bei durchaus nicht trödeliger Fahrt 11-12 Liter auf 100 km und der Ölverbrauch beträgt ca. 1,5 Liter/1000 km.
     
    Wenn ich dem Alltagsstress entfliehen möchte, mich stilvoll entspannen will und mir dabei wünsche, die Landschaft möge an mir vorbeigleiten, dann fahre ich mit meinem Rover (übersetzt: Wanderer, Vagabund) spazieren. Das ist dann echtes, englisches aristokratisches Fahrgefühl.
     
    Immer wieder hält man meinen Rover für einen Bentley - nach meiner dann folgenden Erklärung, es sei ein alten Rover, kann meist keiner etwas anfangen. Einem Freund geht es mit seinem P4 ähnlich.
     
    Jetzt habe ich wirklich einen sehr schönen, soliden und "sauberen" Ponton- Rover P4 im Gesamtzustand von ehrlichen 2-3. Die jetzt noch vorhandene Patina soll er in jedem Fall behalten - sie erzählt einen Teil seiner Geschichte! Mein "individueller" P4 macht mir außerordentlich Spaß, ähnlich wie mein zweites Baby - der Mercedes-Benz 300 SEL 6,3, aber das ist ja eine andere Geschichte.
     
    Text und Fotos: Rover Freund Markus Dürkes
     
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